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Porträt im JAZZPODIUM 

Andreas Brunn – Musik mit sozialem Gewissen

„… Der Weimarer Sevenstring-Gitarrist und Perkussionist Andreas Brunn nimmt den Begriff der „Weltsprache“ Musik wörtlich. Seit Mitte der Neunziger baut er Brücken nach Osten, kreuzt bulgarische Metren mit Jazz, bringt Kindern Rhythmus als soziales Bindemittel bei, erwandert sich klug das Terrain zwischen Jazz und „Weltmusik“ in der Gruppe For Free Hands und hat maßgeblich dafür gearbeitet, der international gemischten „Junge Musik Karawane“ Respekt und Unterstützung nicht nur in der EU zu verschaffen. Und das ist noch lange nicht alles. In Duos und solo gibt’s ihn auch.

2006 erscheint von For Free Hands, vormals 4 Free Hands, die CD „Transversal“ (Laika-Records 35610224.2) Dass FFH ihre Musik „zeitgenössischen europäischen Jazz“ nennt, mag Interesse wecken, deutet aber doch nur auf eine Facette dieser Musik hin: Andreas ist Deutscher, der Kontrabassist Jonathan Robinson ist Amerikaner, Vladimir Karparov an Sopran- und Tenorsaxophon ist Bulgare, Dimitris Christides ist London-erfahrener Grieche und die hier ebenso wie Hans Hartmann gastierende vorzügliche Sängerin Charlota Hagfors kommt aus Finnland. Kennen gelernt haben sich alle in Berlin: „Europa wächst zusammen, For Free Hands liefert den Soundtrack.“ Das ist nicht gaga, sondern nur so optimistisch, wie es die Denke vieler Künstler mit sich bringt. Wenn ein Quartett im Rahmen eines Projekts namens Junge Musik Karawane quer durch Europa reist und dann noch im finnischen Pori beim Jazzfestival auftritt, dann denkt man optimistisch: Musik überwindet Grenzen so leicht wie jeder Vogel.

Andreas Brunn als Motor und Schaltzentrale, ein rastloser Grenzgänger zwischen Avantgarde-Jazz, Balkan-Folk, Rock, Pop und klassischer Technik, meist auf der Sevenstring, aber auch elektrisch und sogar mit dem E-Bow, um alle ethnischen bzw. stilistischen Einflüsse bedienen zu können. Und sie alle von FFH sind rhythmische Top-Experten, für die 13/16, 7/8, 11/8 oder 12/8 selbstverständlich sind. Der Balkan ist omnipräsent und von seltsamer, faszinierender Jazz-Affinität. Und genau da liegt der Schlüssel zur Musik von FFH: Die spezifisch europäischen Wurzeln des modernen, ja, auch des freien Jazz ausloten wollten Brunn und die Gruppe. Und es gelingt ihnen.

Karparov & Brunn: „Wie kaum ein Zweiter verbindet Vladimir die Musik seiner heimat mit klassischen Jazzeinflüssen. Dabei spielt er sehr geschmackvoll und exzessiv. Diese Zusammenarbeit gibt mir die Möglichkeit, meine Fähigkeiten in mehreren Feldern weiterzuentwickeln: Ich kann mich mit der Musik des Balkans beschäftigen, insbesondere den Metren, den typischen Skalen und Verzierungen; ich komponiere für unser Duo und verbinde das außerdem mit meinen Erkundungen der Möglichkeiten der Sevenstring. 2006 waren wir Preisträger beim Studiopreis Jazz des Berliner Senats und haben dann unsere Duo-CD aufgenommen.“ Die erscheint unter dem Titel „East Side Story“ auf dem Label „jazzwerkstatt“ Mitte Juni 2009. …“
Alexander Schmitz