Presse

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Jazzpodium 2016-10

Hartmann & Brunn CD Rezension: “nineteen strings” Laika Records 3510342.2
von Alexander Schmitz

Endlich kann man sie auch zuhause anhören, die beiden Seelenverwandten Hans Hartmann und Andreas Brunn. Letzteren kennt man von „For Free Hands”, von der von mit ihm mitinitiierten „Jungen Musik-Karawane” und seiner akustischen 7-string-Arbeit in der halben Welt.

Hans Hartmann, 74, einst in seiner Schweizer Heimat ein hochgeschätzter Jazzbassist, ging 1968 nach Deutschland, spielte bei Guru Guru und kehrte dann zum Jazz zurück, spielte mit Emil Mangelsdorff, Zbigniew Seifert, Attila Zoller, Chet Baker, Johnny Griffin und Philly Joe Jones… 1995 entdeckte er den 12-saitigen Chapman Stick, der seit 40 Jahren weltweit nur 10.000 Käufer, aber in Hans Hartmann einen lebenslangen Entdecker fand.

10 Stücke Entzücken über ein Saiten-Duo, das meist eher nach Trio klingt. Es geht ruhig zu, musikalisch lebendig, nie verkopft. Zwar muss man erst mal sondieren: Wer spielt da was? Da hilft einer der beiden Fremdtitel, „Nica’s Dream”, in ungewohntem Gewand, ein kleines, feines Hör-Fest. Der zweite, von Brunn „ordentlich durchgebürstet” auch im Tempo, um Improvisations-Raum zu schaffen, McLaughlins „Friday night”-Klassiker „Guardian Angel” und dessen Schluss ein fast klassisches Duett-Vergnügen.

In Hartmanns „Tango el cercado” erfreut vor allem sein Stick-als-Bass-Spiel und der Gitarren-Perkussion von Andreas Brunn. Auch in dessem „Kontraste” liegt die Ruhe in der Kraft, vor allem die harmonische: Betörende Akkorde, sanfte Flirts mit modernen Dissonanzen – ein Highlight. In seinem „Smile of Menja” (noch einer Einstiegshilfe für Novizen!) sind beider Soli sehr deutlich voneinander abgesetzt. Und sein „Good Movement” ist just dies: Alles fließt mit sanftem Drive – auch ein Highlight.

Und als weiteres wählen wir Hans Hartmanns „Swindia” (für Switzerland-India), meditativ mit harmonischen Ecken und Kanten – zumindest für nicht-indische Ohren. Jazz? Vielleicht tatsächlich Weltmusik? Kammermusik?

Wohl eher alles das. Und noch sehr viel mehr. Ein Schatz!

 

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Hartmann & Brunn “nineteen strings” Jazzportal Jazz’halo.be von Ferdinand Dupuis-Panther

19 Saiten, die in allen nur erdenklichen Variationen gespielt werden: gezupft, geschlagen, mal hart, mal zart berührt, gerissen, gedrückt, immer wieder neu gestimmt. Das ist „die musikalische Spielwiese“ von Hans Hartmann, der in der Vergangenheit mit so illustren Musikern wie Chet Baker, Johnny Griffin und Guru Guru zusammenarbeitete, und Andreas Brunn, dem Gründer des Ensembles For Free Hand. Zwei Saitenspieler haben sich in einem Duo zusammengefunden, der einen spielt den 12-saitigem Chapmanstick (Hartmann) und der andere die 7-saitige Gitarre (Brunn). …

Für gute Laune sorgt die Musik des Duos auf alle Fälle. Allein die schwebenden Melodiewölkchen sorgen dafür. Man wird mitgenommen und nimmt gleichsam auf einer rosaroten musikalischen Wolke Platz, lässt sich mittreiben und kann alles rundherum vergessen. Danke!

Manchmal sind in diesen Zeiten Stimmungsaufheller abseits der Pharmaindustrie zwingend, zumal die Jazzwelt im Sommer 2016 schmerzliche Verluste hinnehmen musste: Toots Thielemans und Bobby Hutcherson verließen diesen Jazz-Planeten und hinterließen eine musikalische Lücke. Nur gut, dass es Musiker wie Andreas Brunn und Hans Hartmann gibt, denen mit ihrer Musik ein brillanter musikalischer Lückenschluss gelungen ist.

 

 

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG zu HARTMANN & BRUNN @ Jazzreihe JAZZIT München/Germering.  (von JÖRG KONRAD)

Alles fließt – Die Gitarristen Hans Hartmann und Andreas Brunn haben eine ganz eigene Tonsprache entwickelt.

Germering – War das noch Jazz? Die Antwort auf die Frage hängt wohl davon ab, wie man den Jazz definiert. Und da gibt es die unterschiedlichsten Sichtweisen. Ilse Storb, die einzige europäische Professorin für Jazzforschung und mittlerweile 83 Jahre alt, schrieb einmal in einem ihrer Bücher: „Jazz ist vital, kreativ, demokratisch und freiheitlich, offen für Musiksprachen aller Zeiten und Räume.” Damit ist das Entscheidende gesagt: Das Duo Andreas Brunn und Hans Hartmann spielte am vergangenen Freitag im Germeringer Amadeussaal unter unter diesem Aspekt eindeutig Jazz. Auf neunzehn gezupften, geschlagenen, zart berührten, hart gerissenen, gezielt gedrückten und immer wieder neu gestimmten Saiten. Der Deutsche und der Schweizer, die Kunst macht`s möglich, im freundschaftlichen Miteinander.

Andreas Brunn und Hans Hartmann waren am Freitagabend so etwas wie musikalische Globetrotter, die auf ihren Wanderungen kulturelles Kolorit eingefangen, katalysiert und das Ergebnis einem aufmerksamen Publikum vorgetragen haben. Andreas Brunn brachte dazu auf der siebensaitigen akustischen Gitarre noch eine Messerspitze klassische Musik mit ins Spiel, wohingegen sich Hans Hartmann auf dem seltener zu erlebenden zwölfsaitigen Chapman Stick stärker den wundervollen Melodien und atmosphärischen Stimmungen der Musik widmete.

Virtuosität als Selbstzweck war zum Glück nicht das Erkennungsmerkmal des Abends. Es beeindruckte eher das fließende und verschmelzende Zusammenspiel der beiden Saiteninstrumentalisten. Sie ergänzten und motivierten sich, nahmen Ideen des musikalischen Partners auf und führten diese in ihrem Sinn weiter. Sie entwickelten für jedes Stück einen eigenen, individuell gefärbten Klang-Charakter, sie fanden durchwegs eine dynamische Balance zwischen Intensität und Meditation und sie bildeten insgesamt eine in sich geschlossene Einheit. Das eigentliche Ziel einer jeden Musikerkooperative.

Interessanterweise hatten die beiden Musiker neben eigenen Kompositionen auch Klassiker des Jazz von Charlie Parker (Yardbird Suite) und Horace Silver (Nicas Dream) im Programm und auch ein Stück des wohl alle Gitarristen zur schieren Verzweiflung treibenden John McLaughlin. Doch geschickt haben Brunn und Hartmann aus dessen „GuardianAngel” die Geschwindigkeit und überbordene Perfektion herausgenommen und einen psychedelischen Blues entstehen lassen, der mehr durch seine Taktwechsel und sein hypnotisches Timbre wirkte und etwas beklemmend Mysteriöses hinterließ.

Das eigentlich Phänomenale des Duos ist aber seine Komplexität. Es werden nicht etwa Musikstile oder ethnische Elemente aneinander gereiht, sondern es entsteht aus den unterschiedlichsten Versatzstücken eine eigene Tonsprache, die ganz zentral und unverwechselbar mit den Namen Andreas Brunn und Hans Hartmann in Verbindung steht. „Jazz ist auch Partnerschaftlichkeit und entsteht durch interaktives Spiel in der Gruppe”, schrieb Ilse Storb.

Hartmann & Brunn @ Sueddeutsche.PDF

 

cd-cover-2016-bwkultur SPIEGEL, H.Hielscher“

Angetippt: Ein Chapmanstick ähnelt einem überdimensionalen Gitarren-Griffbrett ohne Klangkörper, seine zwölf Saiten werden nicht gezupft, sondern angetippt. Der Schweizer Bassist Hans Hartmann beherrscht das seltene Instrument und prägt den Klang des Duos Hands, welches sich einem “eigenständigen europäischen Jazz” verpflichtet fühlt. Gitarrist Andreas Brunn aus Weimar steuert Einflüsse von Flamenco und Jazz bei.

AKUSTIKGitarre zum Konzert beim “Open Strings”-Festival

“Hartmann & Brunn : Die Preisträger des letztjährigen Wettbewerbs erwiesen sich in besonderem Maße dem Motto und Titel des Festivals würdig. Andreas Brunn auf der siebensaitigen Akustikgitarre und Hans Hartmann auf dem Chapman-Stick: Dieses Duo erschließt dem Hörer die Musik von Gebieten, die jahrzehntelang genauso gut auf der erdabgewandten Seite des Mondes hätten liegen können, aber nun ihren Anteil an der global kursierenden Ethno-Musik einbringen möchten: Bulgarien, Rumänien, Mazedonien …
Hartmann & Brunn präsentieren die Musik spielerisch und schlagen die Brücke zum Hörer. Zum einen stammt ihr Instrumentarium aus dem westlichen Musikbereich und ist vom Klang-Spektrum her dem Publikum im Wesentlichen geläufig; zum anderen erweisen sich die beiden als versierte Musiker, die selbst die schwierigsten Passagen hochmelodiös und tänzerisch beschwingt präsentieren. Es ist eine Lust, diesen Rhythmen zu lauschen, zumal sie oft in Kombination mit vertrauten Walzer- oder Sambaklängen auftreten. Zudem sind Hartmanns Tapping-Parts auf dem noch keineswegs ausgeschöpften Chapman-Stick so eng mit denen von Brunns traumhaft klingender und souverän gespielter Akustikgitarre (gebaut von Jens Kummer) verzahnt, dass man in diesen Duo-Klängen der Zukunft förmlich schwelgen kann.“

Zauberer an Saiteninstrumenten
In der Reihe „Jazz Live“ erwartete die Jazzfreunde ein ganz außergewöhnliches Konzerterlebnis. Das Duo Hartmann und Brunn schaffte es, mit seiner Musik magische Momente zu erzeugen.
Hartmann bewies sich als Virtuose auf dem Chapman-Stick und Andreas Brunn entlocke seiner siebensaitigen Akustikgitarre die ungewöhnlichsten Töne.
Der unnachahmliche Sound des Chapman-Sticks entsteht durch das „tappen“ der Saiten. Hartmann benutzt das Instrument wie einen Bass und spielt gleichzeitig die Melodie. Außerdem schnappt er sich zwischendurch einen Bogen und fungiert den Stick zum Streichinstrument um.
Die siebensaitige Gitarre ermöglicht es Andreas Brunn ihm, blitzschnell musikalisch zwischen verschiedenen Emotionen zu wechseln. Zwischendurch benutzt er den Korpus seiner siebensaitigen Gitarre als Percussion-Instrument.
Schon nach den ersten Klängen war den Zuhörern klar, dass sie ein Musikabend der Extraklasse erwartete. Die Saitenzauberer boten ihren Zuhörern verschiedene Musikrezepte an. Alles, was es auf der Welt zu hören gibt, löste sich zwischendurch behutsam aus dem ohnehin komplexen Spiel heraus. Wie Sterneköche steigerten die beiden Musiker das Konzert zu einem musikalischen Gourmetbüffet, bei dem aus jeder Köstlichkeit ein anderes Aroma hervorstach.
Beate Trautner, Westfälische Nachrichten

 

Duo Hartmann & Brunn aus Berlin spielte unter dem Motto außergewöhnlicher Seitenzauber und Jazz
Seit über zehn Jahren treten der Züricher Hans Hartmann und der in Weimar geborene Andreas Brunn in verschiedenen Konstellationen zusammen auf, haben CD`s aufgenommen, Wettbewerbe gewonnen, mit ihrer von verschiedenen Kulturen beeinflussten Musik ein internationales Publikum erreicht.
Wer sich mit geschlossen Augen den Klängen hingab, konnte ohne Weiteres glauben, sich von einem größeren Ensemble in außergewöhnliche musikalische Welten entführen zu lassen: Bass, zwei Gitarren und Percussion nahmen die Ohren wahr. Diese unnachahmliche Note ist nicht nur ihrer Musikalität geschuldet, sondern ihren besonderen Instrumenten: Andreas Brunn liefert mit seiner um eine Basssaite erweiterten Akustikgitarre Impressionen von Jazz bis Flamenco und spielt auf ihr gleichzeitig klopfend und trommelnd den Rhythmus dazu. Hans Hartmann bedient mit traumwandlerischer Leichtigkeit das Chapmanstick.
Anke Kühn, Thüringer Allgemeine

 

” … Das dynamische Spektrum des Duos sprengte alle Klischees. Die Gitarre – zeitweise elektronisch angereichert – mutiert urplötzlich aus einem einfühlsamen, balladenhaften Akustiksolo zu einer perkussiven Be-Bop-Orgel. Dann – ein Break, Stille und Hartmanns Spiel auf den “angetippten” Bass erinnert jetzt an Debussys Klavieretüden. Die Melodien fließen ineinander, ein pulsierendes Gewebe, dann wieder das Spiel mit den Pausen – Spannung pur. Ganz zu schweigen von der mitreißenden Rhythmik, Balkan-Folklore, Cool Jazz, Tango, Rock, Zigeunerjazz, klassischer Impressionismus – als ganz große Schublade könnte preiswürdiger “New Jazz” passen.”
Mitteldeutsche Zeitung

 

“Es ist nicht unbedingt die Virtuosität, die das Berliner Duo von vergleichbaren Jazz- und Folk-Formationen abhebt. Gitarrist Andreas Brunn und der vielleicht weltbeste Stickspieler Hans Hartmann legen vielmehr eine Spielfreude und vor allem eine stilistische Neugier an den Tag, die sehr beeindruckt. Mit ungeraden Metren verarbeiten sie Einflüsse von Walzer, Flamenco, indischen Ragas und Blues … eine musikalische Fundgrube”
Hifi Fachmagazin “STEREO”

 

” … Tatsache ist, das mit Hartmann und Brunn Leute zusammengefunden haben, deren Musik nun wirklich ständig über etliche Tellerränder schaut und dabei trotz aller Komplexität einfach Spaß macht. Von der verschachtelten Fusion des Openers über das herzerfrischende Spiel mit Klischees wagen die beiden Saitenkünstler einen anspruchsvollen Drahtseilakt zwischen dissonanter Moderne und erdigen Grooves (“Draculas Breakfast”) und schlagen mit “Gipsy Miles” Brücken zwischen Ska, Zigeunermusik und Miles Davis … wenn sie stilistische Vorlagen ein wenig ironisieren, ohne ihnen die Würde zu nehmen, schaffen sie gar die Quadratur des Kreises.”
AKUSTIK Gitarre

“Die Stücke, im Studio live eingespielt, verbinden hohes kompositorisches und spieltechnisches Niveau mit Lebendigkeit und Spielfreude, wobei die ungewöhnliche Virtuosität immer präsent, aber nie aufdringlich ist. Diese Scheibe ist Ohrenschmaus für jeden, der auch nur einen Hauch Empfinden für rhythmische Nuancen und leichtfüßig tanzendes melodisches Gewebe hat.”
FOLKER 4/99, Steffen Basho-Junghans